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26.07.2009

24. Swiss Alpine Marathon Davos 2009 - K78

Oder: Auf der Flucht

Nachdem wir auf der Läufermesse alle möglichen Läufer trafen, die uns von dem engen Zeitlimit berichteten und davon, dass sie letztes Jahr deswegen disqualifiziert wurden, steigerte sich unsere Nervosität. Am Start im Stadion des Sportzentrums in Davos fühle ich mich angespannt wie vor meinem allerersten Marathon vor knapp 3 Jahren (Berlin 2006).

Im Stadion sind 10°C und man denkt, dass sich die Wolken verziehen würden. In der Nacht hatte es stark geregnet und oben auf dem Panoramatrail sogar geschneit. Kurz vor Startschuss treffen wir Brigitta Biermanski (vor 2 Monaten finishte sie als einzige Europäerin den Mt. Everest Marathon) und Klaus Duwe, der heute den K42 bestreitet.2 Minuten vor 8 Uhr verstummt der Stadionsprecher und es ertönt "Conquest of Paradise" als plötzlich 2 Hubschrauber über uns kreisen. Mit gesengten Köpfen und einem Kloß im Hals erwarten wir den Startschuss. Dieser erfolgt pünktlich um 8 Uhr. In Davos starten die Wettbewerbe K31, C42 und K78 [weitere Wettbewerbe]. Zuerst geht es durch Davos Dorf über Davos Platz im Tal hinaus nach Filsür.

Das enge Zeitlimit in Nacken spurten wir los. Die Entspanntheit, die ich sonst bei Ultras so schätze, fehlt hier völlig. Wir sind alle auf der Flucht vor dem "bösen Besenmann".
Das erste Etappenziel heißt Filsür bis 11:50 Uhr, für 31km eigentlich kein Problem, aber Berichte über Staus auf der Strecke und ein paar Steigungen verhießen nichts gutes. Brigitte ist gleich weg, wir hatten vereinbart, dass bei diesem Lauf jeder auf sich gestellt ist, schließlich sind wir auf der Flucht. Ich mache Bilder, aber bleibe nicht stehen, ich bin auf der Flucht. Ich mache an den Verpflegungspunkten keine Pause, bleibe nicht stehen, ich bin auf der Flucht. Ich will bis Filsür den größtmöglichen Vorsprung vor dem "bösen Besenmann" herauslaufen. Ab KM25 fängt es an zu regnen. Ich erreiche Filsür nach 3:10 Std. und habe 40 min. Vorsprung.
Weiter nach Bergün, Zielschluss hier um 13:00 Uhr. Verpflegung nur im Laufen, zum Glück gibt es Brühe. Kurz vor Bergün treffe ich wieder auf Brigitte, ab da bleiben wir zusammen.
12:20 Uhr wir erreichen die Verpflegung in Bergün. Immer noch 40 Minuten Vorsprung, wir konnten ihn nicht weiter ausbauen, also trinken und ohne Pause weiter, wir sind auf der Flucht. Wir müssen nach Chants (Zielschluss: 14:15 Uhr). Auch Chants erreichen wir mit einem Vorsprung von nur 40 Minuten, trotzdem lassen wir uns dazu hinreisen an der Verpflegung etwas länger zu verweilen und Fotos zu machen. Außerdem genießen wir bei Passanten ein kleines Bier. Zwischenzeitlich haben wir 50 km und ca. 800 Hm bewältigt und sind über 5 Std. unterwegs. Doch das schwierige Stück kommt noch. Also weiter, hoch zur Keschhütte.
Es geht plötzlich nur noch steil bergauf. Mir hängenden Köpfen gehen wir alle die Steigung an. Keiner spricht, keiner hat so recht ein Auge für die herrliche Landschaft die sich uns bietet. Wir sind alle auf der Flucht vor dem "bösen Besenmann". Im Gehen mache ich schnell ein Paar Bilder.
Ich setzte mir meinen iPod auf und höre immer wieder "Lok auf 2 Beinen" von Peter Fox.
Um 15 Uhr erreichen wir die Keschhütte, immer noch 40 Minuten Vorsprung, wir haben mit unserer leichtfertigen Bummelei in Chants also nichts schlecht gemacht. Vor der Keschhütte steht der Rennarzt und schaut sich jeden LäuferIn genau an. Ich habe meinen Spruch von Klaus "Keule" Neumann gelernt und sage: "Ich bin der Sascha und es geht mir gut".
Es ist saukalt auf der Keschhütte, wir trinken heiße Brühe und nehmen unsere Jacken aus unseren Rucksäcken. Weiter geht es über den Panoramatrail zum Scalettapass (Zielschluss: 17:20 Uhr). Es geht ein kalter Wind und immer wieder setzen Graupelschauer ein. Der Panoramatrail erfordert höchste Konzentration, ein Überholen ist nur möglich wenn der Vordermann es zulässt. Wir passieren mehrere Schneefelder. Wir sind auf 2.600 m ü.N.N. die Höhe macht mir Probleme ich sehe schlecht, ich stolpere, einmal stürze ich sogar, aber schnell auf, ich muss weiter, ich bin auf der Flucht. Kurz bevor wir den Scalettapass erreichen, sehen wir, wie ein Läufer zum Rettungshubschrauber geführt wird. Auch am Scalettapass steht ein Rennarzt. Brigitte sagt noch schnell zu mir: "Zieh die Sonnenbrille auf, du siehst scheiße aus!". Doch mit Sonnenbrille und meinem Neumann-Spruch lässt mich der Rennarzt passieren. Zwischenzeitlich haben wir 1 Std. Vorsprung zum "bösen Besenmann". Schnell ein paar Getränke und weiter nach Dürrboden, wir sind immer noch auf der Flucht. Nach fast 3 Stunden auf 2.600 m ü.N.N. geht es endlich wieder bergab über einen Bergpfad der immer noch alle Konzentration erfordert. Doch mit jedem Meter, den wir uns nach unten bewegen, merke ich, dass ich wieder besser sehe und mehr Luft bekomme.
Mit über einer Stunde Vorsprung erreichen wir Dürrboden. Wir sind in Sicherheit, nur noch 14km bis zum Ziel. Ab jetzt kann uns der "böse Besenmann" nicht mehr aus dem Rennen nehmen. Wir beobachten den Helikopter, der aufsteigt um den Verpflegungsstand auf dem Scalettapass auf zu nehmen und machen die erste längere Pause. Die Abendsonne erleuchtet das Tal in Richtung Davos. Wir beschließen ab jetzt die Strecke zu genießen. Mit Gehpausen, Fotos und Ultra-Schlurfschritt erreichen wir nach 11:17 Std. das Ziel, also immer noch mit 40 min Vorsprung zum "bösen Besenmann". Wir sind ihm entkommen!

Im Ziel gibt es wie immer erstmal ein Erdinger und wir treffen ein paar bekannte Finisher. Brigitta Biermanski finisht kurz nach uns.

Fazit: Der härteste Lauf den ich bisher gemacht habe. Das enge Zeitlimit sitzt einem immer im Nacken und lässt einem kaum Zeit die grandiose Bergkulisse zu genießen. Man neigt dazu auf den ersten 31km bis Filsür zu überpacen, was sich dann im späteren Rennverlauf böse rächt.


Meine vielen Bilder (die dank meiner neuen Kamera recht gut wurden) [hier]

Bericht von Klaus [hier]

24.07.2009

Swiss Alpine Davos – more than a race

VORBERICHT

Wir sind bereits am Dienstag angereist um uns an die Höhe zu gewöhnen. So konnten wir mitverfolgen wie mit jedem Tag die Läuferschar in Davos zunahm. Heute einen Tag vor dem Lauf sieht man überall die unterschiedlichsten Finisher-Shirts. Der ganze Ort steckt im Lauffieber. Die Hauptstraße von Davos ist gesperrt und überall ist Party.
Auf der Laufmesse trafen wir natürlich wieder ein paar bekannte Gesichter, u.a. Klaus Duwe von marathon4you.de
Morgen um 8 Uhr starten wir zum K78 (78,5km/2.600Hm). Wetterprognose: Nullgradgrenze auf 3.000m.
Nachtrag 2 Stunden vor Start: es regnet und auf 2.600m sind es -0,3°C.
Bericht von Soo aus dem Vorjahr [hier]
Meine ersten Bilder [hier]

20.07.2009

Ironmen 2009 Frankfurt

Robert hat den IM 2009 in Frankfurt gefinisht!!! Hier ist der Bericht von Soo de Francisco:

Der längste Tag des Jahres

Dies ist die Geschichte von Robert Wasilewski, nicht meine, ich war nur als Zuschauerin und Begleiterin dabei. Obwohl, auch für mich wurde der Tag, der längste Tag des Jahres.

Eine spontane Entscheidung sich zum IM Germany anzumelden war es nicht. Wenn man in die Zukunft sehen könnte, wäre es vielleicht anders gekommen.

Das Jahr 2008 ging zu Ende mit zwei Umzügen. Erst von der Pfalz nach Frankfurt, dann in die gemeinsame Wohnung in Bad Vilbel. Was da alles so damit zusammenhängt, brauche ich niemandem zu erzählen.

Fast fertig wurde das ganze in Februar. Da hatte schon die Frühschwimmsaison angefangen. Ohne Trainingslager musste Robert sich aufs Radfahren noch etwas gedulden.

März, da kam die freudige Nachricht von meiner Schwangerschaft aber auch eine große Umstellung.
Langsam pendelt sich das Ganze ein und Ruck Zuck ist es Sommer.

Der erste Triathlonwettkampf in Maxdorf, halb Distanz, alles gut. Weiter so!

Nur noch 3 Wochen: der IM kann kommen.

5. Juli 2009. Um 4 Uhr aus dem Bett, fahrt in die Stadt, mit dem Shuttlebus nach Langener Wald See und um 7:00 Uhr pünktlich, der Startschuss.

Ich durfte etwas länger schlafen

Für Robert ging das Schwimmen gut, dann der Wechsel aufs Rad und los in die Wetterau.

Ich hatte mich schon am Heartbreak Hill brav platziert und wartete nun auf ihn.
Da war er, es lief alles nach Plan. Mit einem 30er Schnitt wurde die erste Runde bewältigt, die zweite Runde genau so. Ich fuhr von Punkt zu Punkt und konnte damit meinen Fan „aufgaben“ nachkommen. Laut schreien und klatschen bis das Baby im Bauch sich bemerkbar machte. Es war wahrscheinlich etwas zu viel?!?

Am Heartbreak Hill, die Zweite, ging es nur bergab Richtung Stadt.
Ich fuhr mit meinem Rad Richtung Ubahn und machte mich auch auf den Weg zur Laufstrecke.

Am Main war es heiß und ich wusste ab jetzt wird es hart.

Es wurde hart...der Mann mit dem Hammer kam nach der zweiten Schleife, ungefähr nach 20 Km.
Robert ging und lief abwechselnd, während ich immer wieder über der Alte Brücke von Ufer zu Ufer lief, um ihn anzufeuern.

Endlich das vierte Bändchen: geschafft, schnell zum Römer ans Ziel.
Da lief er, den roten Teppich hoch und durch das Ziel, 12:25:46 h, lächelnd und erleichtert, mächtig Stolz. You are an Ironman!


HG!! Robert

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