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[H O M E]

Ich freue mich auch über Kommentare zu meinen Blog-Einträgen, diese sind ab sofort auch ohne Anmeldung möglich.

23.08.2009

1. Allgäu Panorama Ultra-Trail

Eigentlich wollte ich ja auch starten :-( Der Veranstalter verspricht: "Die Strecke: ca. 69km mit ca. 3.000 hm. Spektakuläre Strecke mit allem was das Allgäu und Kleine Walsertal an Bergerlebnissen zu bieten hat."
Viele Bekannte waren am Start u.a. Dieter Ehrenberger (LT-Hemsbach) der mir seinen Bericht geschickt hat, den ich hier natürlich sehr gerne veröffentliche:

Ein neuer Ultralauf im Allgäu – mit Panorama und 3.000 Höhenmetern – das reizte nicht nur mich, sondern ca. 270 Voranmelder, von denen inklusive Nachmeldern 244 finishten, und damit mehr als für den seit zwei Jahren angebotenen Marathon. Der APM (Allgäu Panorama Marathon) blieb auch meinem Grundsatz treu, dass die Anfahrt (5 h mit der Bahn) nicht länger dauern sollte als der Lauf selbst. Am Vorabend stärkte ich mich noch mit AKW (Alt-Kemptener Weiße), nachdem der Ultra „semi aided“ angekündigt war. Eine Pfeife, eine Alu-Rettungsdecke und die Nennung einer Notfallnummer waren ebenso Bestandteil des Starterpacks wie ein Funktionsshirt und zwei Allgäuer-Latschenkiefer-Produkte zum späteren Massieren müder Waden im Wert von knapp 20 Euro.
Der Lauf begann noch im Halbdunkeln um 6 Uhr (hatte es in der Ulmer Laufnacht nicht schon kurz nach 4 Uhr gedämmert?). Für unerschütterliche Begleitpersonen wurde ab 7 Uhr sogar ein Frühstück angeboten, und für diejenigen, die die Ausschreibung nicht gelesen hatten (am Sonntagmorgen keine Startnummernausgabe), wurde dann doch ausgegeben; schließlich war der Start am Allgäu Outlet. Gepäck konnte man an den Hörnlepass oder in das ca. 1 km entfernte Ziel am Wonnemar-Bad transportieren lassen.
Die Strecke ermöglichte zunächst ein gemütliches Einlaufen über 2 km die Iller entlang; danach zeigten sowohl der Steigungswinkel als auch mein Kilometerschnitt stetig nach oben. In sonniger Höhe konnten wir auf die wolkenverhangenen Täler hinunterschauen – sofern man den Blick nicht auf den noch etwas feuchten Wurzelpfad richten musste. So erklommen wir den ersten – und für den später startenden Marathon einzigen – Gipfel, den Weiherkopf. Danach ging es erst einmal so steil hinunter, dass ich gern zu dem Halteseil griff, und danach stark wellig weiter bis zur ersten Vollverpflegung an der Grasgehrenhütte. Von Kuchen bis Butterbrot mit Salz war alles geboten und wurde dankbar angenommen.
Besondere Herausforderungen danach waren das Durchschreiten einer Kuhherde, die Querung einer Sumpfwiese auf schmalen Holzbohlen und anschließend die Überwindung der bayerisch-österreichischen Grenze ins Kleinwalsertal. Die Bohlen hatten durch den überschwappenden Matsch einen so geringen Haftreibungskoeffizienten (mit anderen Worten: sie waren so arschglatt), dass es einige Läufer auf selbigen setzte. Das erklärte auch das Angebot, zu dem kurz dahinter liegenden Hörnlepass Gepäck mit Ersatzklamotten zu transportieren.
Danach ging es über eine Straßenbrücke (nicht durchs Tal) und gepflegte Wanderwege stetig bergauf in Richtung Söllereck. Es kamen uns so viele Wanderer entgegen (bergab!), dass ich die Vermutung hegte, es müsse auch eine Seilbahn nach oben führen. Dem war auch so – nur den Läufern hatte wieder keiner etwas gesagt. Oben gab es einen Getränkestand und den Trost, dass es nach dem weiteren Aufstieg auf den „Schinder“, der seinem Namen Ehre machte, nur noch 8 km bergab bis zum Zwischenziel in der Erdinger Skisprungarena in Oberstdorf ging.
In die Arena einzulaufen, wo sonst die Skispringer beifallumtost landeten („Tausende standen an den Hängen und Pisten“), war ein durchaus erhebendes Gefühl – das von dem dargebotenen Erdinger alkfrei noch getoppt wurde. Dort bestand auch die Möglichkeit, den Lauf nach 49 km zu beenden; davon machten aber nur 16 Läufer Gebrauch. Wer über 7,5 h unterwegs war, musste laut Ausschreibung dort abschneiden (Cut-off), aber auch das wurde – im Gegensatz zu meinen letztjährigen Erfahrungen beim Swiss Alpine – großzügig gehandhabt.
Für die restlichen 20 km hatte man, wie ich dachte, mit 4,5 h überproportional Zeit. Tatsächlich brauchte ich ausweislich der Ergebnisliste und inklusive der Verpflegungspausen knapp 4 h. Der Aufstieg zum Sonnenkopf (von ca. 820 auf 1712 m über Normalnull) forderte die letzten Reserven (sowohl der Läufer als auch der mitgeführten Verpflegungsrucksäcke). Nur die Pfeife hätte ich nicht gebraucht, denn ich pfiff auch so aus dem letzten Loch. Irgendwann kam doch das erlösende Klatschen einiger Sonnenkopf-Besteiger und kurz danach das Schild „60 km“ und eine hochwillkommene Verpflegungsstelle. An einer zusätzlichen Getränkestelle am Sonthofer Hof wurden wir gar mit Kuhglockengeläut empfangen. Eigentlich gab es dort nur Wasser und Spezi, aber die Helfer jammerten: „Immer wenn wir uns ein Erdinger aus der Alpe holen, trinken es uns die Läufer weg!“
Die letzten Kilometer führten zum Teil durch schattigen Wald und ließen sich wieder halbwegs traben. Im Ziel gab es dann a) verdienten Beifall, b) die Nachricht, dass die Medaillen ausgegangen seien, aber nachgesandt würden, c) ein letztes Erdinger (lechz!), d) die Möglichkeit, im Cambomare zu duschen, zu schwimmen, und wer noch nicht dehydriert genug war, konnte sogar die Sauna nutzen. e) bekam jeder Ultra-Finisher einen künstlerisch wertvollen Metallläufer auf Steinsockel, der meinen Rucksack um weitere 1,5 kg beschwerte. Sagte ich schon, dass wir mit der Bahn angereist waren?
Insgesamt ein sehr anspruchsvoller, abwechslungsreicher Lauf durch traumhafte Landschaft mit perfekter Organisation und „Suchtpotenzial“. Wer sich über die Verpflegungsstellen beschwerte („zu weit auseinander“, „teilweise nur Wasser“), hatte wohl den Hinweis „semi aided“ nicht in praktisches Handeln übersetzt und sollte die gewonnenen zwei Punkte für den UTMB besser nicht einlösen.

Vielen Dank Dieter und Herzlichen Glückwusch!

Von marathon4you haben gleich 3 Läufer teilgenommen, ihre Berichte sind auch schon Online.
Anton Lauter [hier], Daniel Steiner [hier], Bernie Manhard [hier]

16.08.2009

1. (inoffizieller) Trail an der römischen Weinstraße

Markus Krempchen ist ein Topläufer, ich kenne ihn spätestens seit dem Uewersauer Trail 2007, weil er diesen mitorganisiert. Eigentlich läuft er in einer ganz anderen Liga. Beim Gondo-Event lud er uns zu einem Privatlauf am 15.8. in seine Heimat in Schweich an der Mosel ein. Die Strecke sollte 71km und ca. 2.000Hm haben (am Ende waren es 78km und 1.960Hm). Markus läuft am 5.9. den Madeira Island Ultra Trail und brauch noch ein paar Trainingskilometer, die er nicht alleine absolvieren will ;-)

Zusammen mit Dieter Ehrenberger (LT-Hemsbach) starten wir um 6 Uhr in Mainz und kommen pünktlich um 7:45 Uhr in Schweich an. Eigentlich hätten wir stutzig werden müssen, alle angekündigten Teilnehmer aus der Gegend haben abgesagt und Volker (ein diesjähriger UTMB-Teilnehmer) läuft zwar mit, hat aber bei KM42 sein Auto platziert.

Um 8:30 starten wir also zu Fünft zu unserem privaten Trail über die römische Weinstraße an der Mosel. Es wird ein heißer Tag werden und jeder hat seinen Trinkrucksack mit mind. 2 Litern Flüssigkeit gefüllt.
Markus hat 3 Verpflegungspunkte mit Getränken eingerichtet und in Müllbeuteln an der Strecke versteckt. Dafür wurde er schon fast wegen illegaler Müllentsorgung verhaftet ;-)
Von Schweich geht es zunächst über Bekond nach Thörnich. Es ist ein herrlicher Spätsommertag und der Tau spiegelt sich in den Spinnenweben. Weiter geht es in stetem auf und ab nach Thörnich, wo wir die Mosel überqueren, durch Detzem nach Leiwen. Dort ist kurz vor dem Panorama Freibad die erste Verpflegung mit Iso und Wasser. Die Rucksäcke werden aufgefüllt und weiter geht es. Oberhalb der Mosel bietet sich ein herrlicher Ausblick auf Trittenheim. Es ist fast Mittag und wir laufen in der prallen Sonne, was uns das Unverständnis der Touristen einbringt. Wir erklimmen die Konstantinhöhe über den recht anspruchsvollen Römersteig. Hier oben soll der Legende nach dem röm. Kaiser Konstanin I. eine Offenbarung widerfahren sein [mehr dazu]. Wir genießen kurz die Aussicht und steigen auch schon wieder ab und laufen wieder Richtung Leiwen, vorbei am Ferienzentrum Sonnenberg, welches sich in der Ferienzeit fest in holländischer Hand befindet. Wir passieren jetzt in der Mittagshitze ein schattiges Waldstück und kommen oberhalb von Mehring in die Nähe der Autobahn. Hier ist die 2. Verpflegung versteckt. Endlich gibt es auch Cola, insgesamt aber nur 3 Liter, auf wir uns gleich stürzen. Hier hat Volker auch sein Auto geparkt und verlässt uns. Zu viert machen wir uns wieder auf die Strecke durch die Mehringer Schweiz. Über eine Mountainbikestrecke geht es wieder auf und ab zum 5-Seen-Blick. Dort besteigen wir den Turm und genießen wieder die Aussicht, aber nicht lange, da Markus uns wieder antreibt. Es geht weiter über Felspassagen mit Seilsicherung und Himmelsleiter. Es geht ständig auf und ab, bis wir zu einer Steigung kommen, die Markus selbst "die Wand" nennt. So keuchen wir nach oben um dann auch gleich wieder bergab Richtung Mehring zu laufen.
Beim Schützenhaus ist unsere 3. und letzte Verpflegung versteckt. Es gibt ein wenig Cola, Salzgebäck und Butterkekse. Pures Wasser können wir schon lange nicht mehr sehen. Obwohl wir durstig sind, haben wir schon so viel Mineralien verloren, dass uns vom reinen Wasser über wird. Wir genießen unsere spärliche Verpflegung als uns Markus auch schon wieder zum Aufbruch treibt.
Es geht wieder über die Mosel durch Mehring hindurch zu unserem letzten Anstieg. Wir sind auf dem Rückweg nach Schweich. Markus versucht uns immer wieder zum "antraben" zu bewegen, was wir aber häufig ignorieren, ich bin völlig dehydriert, Wasser kann ich nicht mehr trinken. An einem Grillplatz entdecken wir Jugendliche von denen wir uns ein Bier schnorren. So gestärkt traben wir zurück nach Schweich und erreichen unser Ziel nach 11:57 Std.
Dort werden wir von Markus Eltern bestens verpflegt.

Fazit:
Super anspruchsvolle Strecke. Man muss nicht in die Alpen um Kletterpassagen in einem Traillauf zu bekommen.
Es muss nicht immer ein offizieller Wettkampf sein. Diesen Lauf mit Gleichgesinnten ohne Zeitdruck habe ich sehr zu schätzen gelernt.
Trotzdem sollte Markus darüber nachdenken, diese Strecke als Traillauf offiziell anzubieten, damit mehr Läufer in den Genuss des Trails an der römischen Weinstraße kommen.

Meine Bilder gibts [hier]

03.08.2009

8. Internat. Gondo Event 2009 (Doppelmarathon)

Familientreffen in der Schweiz.
Der Gondo Event ist wie ein Familientreffen, mit dem einzigen Unterschied, dass man gerne dort hin geht und nebenbei 2 Marathons mit jeweils 2.000 Hm läuft.

Bei unserer Ankunft am Freitag treffen wir wieder nur bekannte Gesichter, viele sind wie wir letzte Woche den Swiss Alpine gelaufen. Bis zur Ausgabe der Startunterlagen checken wir schnell in der Massenunterkunft (20 Personen) ein und bekommen noch einen Schlafplatz mit Fenster, sodass wir nicht in den Zivilschutzbunker müssen. Dann geht's zur Pasta-Party im Stockalperturm, die ist echt der Hammer, super lecker und Wein bis zum abwinken. Wir gehören zu den Letzten, die die Party verlassen ;-)

Pünktlich um 8 Uhr erfolgt am nächsten Tag der Startschuss zur ersten Etappe nach Ried-Brig über Simplon-Dorf, Simplon-Pass und Bistinerpass. Das Wetter ist hervorragend und die Sonne knallt vom Himmel. Auf der Strecke bietet sich uns eine grandiose Bergkulisse, die man erlebt haben muss und die in Bildern nur schwer vermittelt werden können. Zum Nachmittag hin, als wir wieder ins Tal kommen, steigt die Temperatur auf 30°C, was mir schwer zu schaffen macht. Zum Glück gibt es Boullion. Nach 7:30 Std. erreichen wir endlich das Ziel, wo wir bereits mit einem Bier erwartet werden.


Es ist ein wunderschöner warmer Sommerabend. Nach der Massage und dem gemeinsamen Abendessen sitzt man noch lange zusammen und versucht die Eindrücke des Tages auszutauschen.

Auch in Brig schlafen wir wieder in einer Zivilschutzanlage.
Die zweite Etappe startet für uns langsame Läufer erst um 7:30 Uhr. Das Wetter sieht noch gut aus, aber die Rennleitung informiert uns bereits vor dem Start, dass mit einer Kaltfront, Regen und Sturm zu rechnen ist und wir uns entsprechen ausrüsten sollen.

Die ersten Km rollen besser als erwartet. Bei Km 13 setzt dann der erste Regen ein, der immer stärker wird. Meine Kamera versagt plötzlich ihren Dienst. Es wird immer kälter, meine Gore-Tex Trailschuhe sind leider nur bis zum Knöchel wasserdicht ;-) und wenn Wasser erst mal drin ist, will es auch nicht mehr raus. Die Wege sind überschwemmt, schlammig und rutschig. Trotzdem kommen wir gut voran und laufen in einer kleinen Gruppe recht gleichmäßig, bis wir nach 28km in Simplon-Dorf nicht weiter dürfen, da das Rennen aus Sicherheitsgründen abgebrochen wurde.

Hierzu zitiere ich die Rennleitung:

"Für einmal spielte das Wetter beim Gondo Event verrückt. Während die Läuferinnen und Läufer am ersten Tag über 30° am Schatten zu kämpfen hatten, brachte eine Kaltluftfront am Sonntag monsunartigen Regen mit Hagel und Gewitter über die Simplon-Südseite. Die Passage durch die Gondoschlucht wurde im Laufe des Rennens zu gefährlich und die Strecke über den Furggupass für die durchnässten Läuferinnen und Läufer zu beschwerlich. Das Gondo Event musste zum ersten Mal in seiner 8-jährigen Geschichte abgebrochen werden. Zum Glück hatten die Organisatoren nach Konsultation des Wetterberichts ein Notfallkonzept erarbeitet und eine Ersatz-Zeitmessung in Simplon-Dorf eingerichtet. So gibt es auch vom 8. Gondo Event eine Rangliste! Die Kategorie Running wurde normal in Gondo gewertet, weil die meisten Läuferinnen und Läufer bei Rennabbruch bereits im Ziel waren. Der Doppelmarathon und das Walking wurden bis Simplon-Dorf gewertet. Die Organisatoren sind froh, dass kein Unfall passierte und das Gondo Event trotz Wetterkapriolen einen guten Abschluss fand!"

Hierfür hatten wohl alle Läufer Verständnis.

Mit Privat-Pkw's wurden wir dann zurück nach Gondo gefahren, das muss man sich vorstellen! Der ganze Ort ist unterwegs um uns völlig durchnässte, schmutzige und schlammige Läufer zu transportieren. Ich selbst hätte mich so in meinen eigenen Auto nicht mitgenommen.
Zurück in Gondo sind wir alle etwas traurig über den Abbruch, bei der Abschlussfeier lassen wir uns die Stimmung aber nicht verderben. Wir übernachten nochmal in der Zivischutzanlage und reisen montags heim.
Den Gondo-Event muss man selbst miterlebt haben. Die Bergkulisse, die Organisation und Verpflegung und besonders Unterbringung mit anderen LäuferInnen für 3 Tage und das Gemeinschaftsgefühl ist unbeschreiblich.

Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

Meine Fotos [hier]

Fotos von Josi [hier]

Bericht bei marathon4you von Klaus [hier] und von Daniel [hier]

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